Eine Schreinerei kauft Holz für 40 € und verkauft daraus einen Stuhl für 100 €. Wie viel hat sie zur Wirtschaftsleistung des Landes beigetragen?
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der Geldwert aller Endgüter und Dienstleistungen, die ein Land in einem Jahr produziert. „End" ist wichtig: Vorprodukte (das Holz im Stuhl) zählen nicht extra, sonst würde man doppelt zählen. Gleichbedeutend zählt man die Wertschöpfung jeder Stufe.
Das Schöne am Kreislauf (Lektion 1): Weil jede Ausgabe ein Einkommen ist, kommt man auf drei Wegen zum selben BIP:
Der bekannteste ist die Verwendung — wer gibt das Geld aus? Vier Gruppen aus unserem Kreislauf:
C = Konsum der Haushalte, I = Investitionen der Unternehmen, G = Staatsausgaben, X − M = Nettoexporte (Exporte minus Importe). Bau dir dein eigenes Land:
Steigt das BIP von 100 auf 105, ist das Land 5 % reicher? Nur, wenn keine Preise gestiegen sind. Das nominale BIP mischt Mengen und Preise. Das reale BIP rechnet die Inflation heraus:
Nur das reale Wachstum zählt für den Wohlstand — genau die Falle, die wir in der Geldsystem-Simulation aufgedeckt haben, als ein rein nominal steigendes BIP Wachstum nur vortäuschte.
Y = C + I + G + NX gilt nicht „ungefähr", sondern per Definition — es ist dieselbe Buchhaltung wie die Lecks-gleich-Zuflüsse-Bedingung aus Lektion 1 und wie die SFC-Konsistenz der Simulationen. Jeder produzierte Euro wird von genau einer dieser Gruppen verausgabt.
Tipp: Im 🔵 Geek-Modus klären wir nominal vs. real, den BIP-Deflator und warum Y = C+I+G+NX eine Identität (kein Zufall) ist.