Wirtschaftsschule · Block 4 · Lektion

Geldpolitik — wie die Notenbank die Wirtschaft steuert

Mit einem einzigen Hebel — dem Leitzins — versucht die Zentralbank, eine ganze Volkswirtschaft auf Kurs zu halten: nicht zu heiß (Inflation), nicht zu kalt (Arbeitslosigkeit). Hier schlüpfst du selbst in die Rolle der Notenbankerin.

Stell dir vor: Die Inflation ist hoch — und gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit. Soll die Zentralbank den Zins erhöhen oder senken?

Hohe Inflation UND steigende Arbeitslosigkeit — was tun?

Worum geht's?

Geldpolitik heißt: die Gesamtnachfrage über den Leitzins steuern. Die meisten Zentralbanken zielen auf ~2 % Inflation — nicht null (Deflation ist gefährlich), nicht hoch (entwertet Geld). Der Wirkungsweg:

Leitzins ↑Kredit teurerweniger Konsum & Investitionweniger NachfrageInflation ↓ (aber Jobs ↓)

Spiel Notenbankerin: die Zins-Faustregel

Viele Zentralbanken folgen grob einer einfachen Regel (nach John Taylor): Der Zins steigt, wenn die Inflation über dem Ziel liegt oder die Wirtschaft heißläuft — und fällt, wenn es umgekehrt ist. Stell die Lage ein:

Inflation4,0 %
Produktionslücke (+ Boom / − Rezession)0,0 %
empfohlener Leitzins (Taylor-Regel)
Das 2 %-Ziel: Etwas Inflation schmiert die Wirtschaft (Löhne/Preise lassen sich leichter anpassen) und hält Abstand zur gefährlichen Deflation, in der alle das Ausgeben aufschieben. Null ist zu nah am Abgrund, hoch entwertet Erspartes — 2 % ist der Kompromiss.

Die Taylor-Regel

i = r* + π + 0,5·(π − π*) + 0,5·Lücke

Mit neutralem Realzins r* ≈ 2 % und Ziel π* = 2 %. Liegt der Realzins (i − π) über r*, wirkt die Politik restriktiv (bremsend), darunter expansiv (stützend). Genau das zeigt dir das Urteil im Rechner.

Wenn der Zins bei null klemmt

In tiefen Krisen stößt der Zins an die Nullzinsgrenze. Dann greifen QE (Lektion 2) und Forward Guidance (Versprechen, lange niedrig zu bleiben). Der Phillips-Kurven-Trade-off erklärt das Stagflations-Dilemma vom Anfang.

Warum Unabhängigkeit? Wäre der Zins in Politikerhand, wäre die Versuchung groß, vor Wahlen billiges Geld zu schaffen — und am Ende stünde hohe Inflation. Deshalb sind Zentralbanken meist unabhängig. „Regeln vs. Ermessen" und die langen, variablen Wirkungs-Verzögerungen bleiben aber echte Streitfragen.

💶 Was heißt das für dein Geld?

Tipp: Im 🔵 Geek-Modus stehen die Taylor-Regel, die Nullzinsgrenze, die Phillips-Kurve und warum Zentralbanken unabhängig sind.