Wirtschaftsschule · Block 5 · Lektion

Lebenszyklus-Investieren — der Glide Path

Die wichtigste Frage beim Anlegen lautet nicht nur „welche Mischung?", sondern „welche Mischung in welchem Alter?". Diese Lektion zeigt, warum man jung viel in Aktien hält — und sich mit jedem Jahr näher am Ziel ein Stück absichert.

Zwei Menschen sparen fürs Alter: Anna ist 30, Bernd ist 63. Beide legen Geld an. Wer von beiden sollte einen deutlich höheren Aktienanteil haben?

Wer sollte mehr in Aktien investieren?

Worum geht's?

Aktien haben die höchste erwartete Rendite — aber sie schwanken stark und können in einem Crash zeitweise 30–50 % verlieren. Ob du dir das leisten kannst, hängt nicht von deinem Mut ab, sondern von deiner Risikokapazität: Wie viel Zeit hast du, bis du das Geld brauchst?

Genau hier setzt der Glide Path an — ein Aktienanteil, der mit dem Alter langsam gleitet: jung hoch, nahe am Ziel niedriger.

Stell dein Alter ein — sieh deine Mischung

Eine verbreitete Faustregel: Aktienanteil ≈ 110 − Alter. Zieh den Regler und beobachte, wie der Aktienanteil sinkt und Anleihen/Bargeld übernehmen — und lies, warum:

Dein Alter30 Jahre
Empfohlener Aktienanteil
Jahre bis Ziel (67)
Aktien Anl. Bar
Die Flächen zeigen die empfohlene Mischung über dein ganzes Leben: Aktien · Anleihen · Bargeld. Die blaue Linie markiert dein eingestelltes Alter.
🎮 Im Spiel anwenden: Genau diese Entscheidung triffst du in „Dein Geld-Leben" jedes Jahr. Bleib jung offensiv, gleite später Richtung Sicherheit — und sieh, was es mit deiner Rendite macht.

Warum gleiten? Das Sequenzrisiko

Über lange Zeit mitteln sich gute und schlechte Börsenjahre aus (siehe „Macht der langen Frist": σ pro Jahr sinkt mit √Zeit). Jung ist ein Crash also fast egal — du hast Jahrzehnte zur Erholung und kaufst sogar günstig nach.

Nahe am Ziel kippt die Logik: Jetzt zählt das Sequenzrisiko — ein schwerer Crash trifft dann dein größtes Vermögen und du hast keine Zeit mehr, ihn auszusitzen. Deshalb sicherst du das Erreichte schrittweise ab.

Aktienanteil ≈ 110 − Alter  (klassisch: 100 − Alter; offensiver: 120 − Alter)
Ehrlich & wichtig: Das ist eine grobe Faustregel, kein Naturgesetz. Sie ist nur ein Startpunkt — deine echte Mischung hängt auch von deiner Risikotoleranz, deinem Sicherheitsbedarf, einem stabilen Einkommen und einem separaten Notgroschen ab. Den Notgroschen (3–6 Monatsausgaben) hältst du zusätzlich in Bargeld, unabhängig vom Alter.

💶 Was heißt das für dich?

Tipp: Im 🔵 Geek-Modus steht das Sequenzrisiko — der eigentliche Grund, warum man nahe am Ziel absichert.