Alle paar Jahre boomt die Wirtschaft, dann kommt die Rezession. Woran liegt dieser ewige Auf-und-Ab-Rhythmus vor allem?
Der Konjunkturzyklus ist das Schwingen des realen BIP um seinen langfristigen Trend. In dieser Lektion siehst du, dass die drei Dinge aus Block 2 — die Geldzirkulation (Lektion 1), die Produktion (Lektion 2) und die Beschäftigung (Lektion 5) — keine getrennten Themen sind: Sie steigen und fallen gemeinsam.
Stell dir den Aufschwung vor: Firmen sind optimistisch, investieren und stellen ein. Die neuen Beschäftigten haben Einkommen und geben es aus — das ist (Lektion 1!) das Einkommen der Nächsten, die auch mehr ausgeben. Der Multiplikator dreht nach oben. Doch irgendwann sind Fabriken ausgelastet, Kredite hoch, Löhne teuer — die Gewinne sinken, die Stimmung kippt. Jetzt läuft dieselbe Spirale rückwärts: weniger Investitionen → Entlassungen → weniger Ausgaben → noch weniger Umsatz. Genau dieser eingebaute Rhythmus erzeugt die Wellen.
Man teilt den Zyklus in vier Phasen. Zieh den Regler durch ein „Konjunktur-Jahr" und beobachte, wie sich Beschäftigung, Inflation und die Zinspolitik der Notenbank mitbewegen:
Der Trend, um den die Wirtschaft schwingt, ist das Produktionspotenzial. Die Abweichung davon ist die Produktionslücke (output gap):
Positive Lücke = Überauslastung (Boom, Inflationsdruck), negative Lücke = Unterauslastung (Rezession, Arbeitslosigkeit). Über Okuns Gesetz (Lektion 5) hängt sie direkt mit der Arbeitslosigkeit zusammen.
Dass der Zyklus von selbst entsteht, hat Richard Goodwin als Räuber-Beute-System modelliert: Hohe Beschäftigung (Beute) treibt die Löhne (Räuber), hohe Löhne drücken Gewinne und Investitionen, das senkt die Beschäftigung, was die Löhne wieder fallen lässt — ein ewiger Kreis. Genau diesen Mechanismus kannst du in der Simulation Stufe 5 laufen sehen — dort entsteht der „Herzschlag" ganz ohne äußeren Schock, und der Zins (Minsky) macht ihn heftiger.
Antizyklische Politik (Keynes): In der Rezession erhöht der Staat seine Ausgaben (G ↑) und die Notenbank senkt den Zins, um die Nachfrage zu stützen; im Boom umgekehrt. Dazu wirken automatische Stabilisatoren (Arbeitslosengeld, progressive Steuern), die ohne neue Beschlüsse gegensteuern.
Tipp: Im 🔵 Geek-Modus kommen Produktionslücke, Okuns Gesetz und der Goodwin-Herzschlag — die direkte Brücke zur Simulation Stufe 5.