Wirtschaftsschule · Block 6 · Lektion

Monetarismus & Neoklassik — Geld & Märkte

Nach Jahrzehnten keynesianischer Dominanz kam der Konter: Milton Friedman und die Neoklassik rückten das Geld und die Selbstheilungskräfte der Märkte zurück ins Zentrum. Eine Rückkehr zu klassischer Markt-Zuversicht — mit neuen Werkzeugen.

Eine Notenbank verdoppelt die Geldmenge, sonst bleibt alles gleich. Was passiert auf Dauer mit den Preisen?

Geldmenge verdoppelt, sonst alles gleich — die Preise …

Worum geht's?

Der Monetarismus (Milton Friedman) und die Neoklassik (Robert Lucas u. a.) setzen auf die Quantitätstheorie und die Selbstheilung der Märkte. Kernsätze: Langfristig bestimmt das Geldmengenwachstum die Inflation; Märkte räumen; und Menschen bilden rationale Erwartungen, die staatliches Feintuning unterlaufen.

Die Geldgleichung MV = PY

In Wachstumsraten gilt: Inflation ≈ Geldwachstum + Änderung der Umlaufgeschwindigkeit − reales Wachstum. Spiel damit:

Geldmengen-Wachstum7 %
Reales Wirtschaftswachstum2 %
Änderung der Umlaufgeschwindigkeit (V)0 %
Inflation ≈ Ṁ + V̇ − Ẏ
resultierende Inflation
Friedmans Schluss: Wenn Geldwachstum die Inflation treibt, soll die Notenbank nicht herumsteuern, sondern die Geldmenge mit einer festen, stetigen Rate wachsen lassen („k-Prozent-Regel") — Regeln statt Ermessen. Das ist die monetaristische Antwort auf Keynes' aktives Eingreifen.

Rationale Erwartungen & die natürliche Rate

Lucas verschärfte das: Wenn Menschen Politik vorhersehen, verpufft sie systematisch (Politik-Ineffektivität). Friedman ergänzte die natürliche Arbeitslosenquote: Mit der erwartungserweiterten Phillips-Kurve erklärten die Monetaristen die Stagflation der 1970er — genau das Rätsel, an dem der naive Keynesianismus scheiterte. Auch die Große Depression deuteten sie monetär: Die Fed ließ die Geldmenge kollabieren.

Kritik & Grenzen: Die Umlaufgeschwindigkeit V erwies sich als instabil — deshalb gaben Notenbanken das direkte Steuern der Geldmenge ab den 1980ern weitgehend auf und steuern heute den Zins (Block 4). Nach 2008 schuf QE riesige Mengen Basisgeld ohne die vorhergesagte Inflation (weil Giralgeld/V nicht mitzogen). Rationale Erwartungen gelten vielen als zu starke Annahme (siehe Verhaltensökonomie, nächste Lektion).

💶 Was nimmst du mit?

Tipp: Im 🔵 Geek-Modus stehen rationale Erwartungen, die natürliche Rate und warum strenge Geldmengensteuerung in der Praxis aufgegeben wurde.