Nach Jahrzehnten keynesianischer Dominanz kam der Konter: Milton Friedman und die Neoklassik rückten
das Geld und die Selbstheilungskräfte der Märkte zurück ins Zentrum. Eine Rückkehr zu klassischer Markt-Zuversicht —
mit neuen Werkzeugen.
Eine Notenbank verdoppelt die Geldmenge, sonst bleibt alles gleich. Was passiert auf Dauer mit den
Preisen?
Geldmenge verdoppelt, sonst alles gleich — die Preise …
Worum geht's?
Der Monetarismus (Milton Friedman) und die Neoklassik (Robert Lucas u. a.) setzen auf die
Quantitätstheorie
und die Selbstheilung der Märkte. Kernsätze: Langfristig bestimmt das Geldmengenwachstum die Inflation; Märkte
räumen; und Menschen bilden rationale Erwartungen,
die staatliches Feintuning unterlaufen.
Die Geldgleichung MV = PY
In Wachstumsraten gilt: Inflation ≈ Geldwachstum + Änderung der Umlaufgeschwindigkeit − reales Wachstum. Spiel damit:
Geldmengen-Wachstum7 %
Reales Wirtschaftswachstum2 %
Änderung der Umlaufgeschwindigkeit (V)0 %
Inflation ≈ Ṁ + V̇ − Ẏ
resultierende Inflation
—
Friedmans Schluss: Wenn Geldwachstum die Inflation treibt, soll die Notenbank nicht
herumsteuern, sondern die Geldmenge mit einer festen, stetigen Rate wachsen lassen („k-Prozent-Regel") — Regeln
statt Ermessen. Das ist die monetaristische Antwort auf Keynes' aktives Eingreifen.
Rationale Erwartungen & die natürliche Rate
Lucas verschärfte das: Wenn Menschen Politik vorhersehen, verpufft sie systematisch (Politik-Ineffektivität).
Friedman ergänzte die natürliche Arbeitslosenquote:
Mit der erwartungserweiterten Phillips-Kurve erklärten die Monetaristen die Stagflation der 1970er — genau das
Rätsel, an dem der naive Keynesianismus scheiterte. Auch die Große Depression deuteten sie monetär: Die Fed ließ die
Geldmenge kollabieren.
Kritik & Grenzen: Die Umlaufgeschwindigkeit V erwies sich als instabil — deshalb
gaben Notenbanken das direkte Steuern der Geldmenge ab den 1980ern weitgehend auf und steuern heute den Zins (Block 4).
Nach 2008 schuf QE riesige Mengen Basisgeld ohne die vorhergesagte Inflation (weil Giralgeld/V nicht mitzogen).
Rationale Erwartungen gelten vielen als zu starke Annahme (siehe Verhaltensökonomie, nächste Lektion).
💶 Was nimmst du mit?
Dauerhaft hohes Geldwachstum → Inflation. Diese Langfrist-Lehre ist robust. Wer Inflation fürchtet,
achtet auf reale Werte (Block 5) statt auf nominale Sicherheit.
Kurzfristig ist es komplizierter. Wegen schwankender Umlaufgeschwindigkeit lässt sich Inflation nicht
simpel aus der Geldmenge ablesen — „Geld drucken = sofort Hyperinflation" ist zu kurz gedacht (Block 4).
Regeln vs. Ermessen. Die Debatte, ob Politik festen Regeln folgen oder flexibel reagieren soll, prägt bis
heute jede Notenbank — und hilft dir, ihre Entscheidungen einzuordnen.
Tipp: Im 🔵 Geek-Modus stehen rationale Erwartungen, die natürliche
Rate und warum strenge Geldmengensteuerung in der Praxis aufgegeben wurde.