Wirtschaftsschule · Block 3 · Lektion

Das Solow-Modell — warum Kapital allein nicht reicht

Das berühmteste Wachstumsmodell der Ökonomik, in einem Bild. Es erklärt, warum arme Länder aufholen können, warum „einfach mehr sparen" irgendwann nichts mehr bringt — und warum am Ende doch alles an einer Sache hängt: dem technischen Fortschritt.

Ein armes Land fängt an, kräftig zu investieren, und wächst rasant. Wird es in diesem Tempo für immer weiterwachsen und die reichen Länder weit überholen?

lässt nach, je mehr Kapital sich anhäuft — wegen des abnehmenden Grenzertrags (Block 2). Irgendwann ist so viel Kapital da, dass die Ersparnisse gerade noch den Verschleiß ersetzen. Dann steht das Pro-Kopf-Wachstum still: der Steady State.">
Wächst das arme Land ewig so schnell weiter?

Worum geht's?

Das Solow-Modell betrachtet das Kapital pro Kopf (k). Zwei Kräfte wirken auf es:

Wo sich beide treffen, ist der Steady State k*.

Das ganze Modell in einem Bild

Schieb an Sparquote, Abschreibung und Produktivität. Beobachte, wo sich Investitions-Kurve (gold) und Abschreibungs-Gerade (rot) treffen — das ist der Steady State, auf den die Wirtschaft zusteuert:

Sparquote s0,20
Abschreibung δ (Verschleiß/Jahr)0,05
Produktivität A (Technik)1,00
Kapital im Steady State k*
Produktion im Steady State y*
Produktion f(k)   Investition s·f(k)   Abschreibung δ·k
Die entscheidende Einsicht: Erhöhst du die Sparquote, steigt k* und y* — das Land wird reicher. Aber nur einmalig auf ein höheres Niveau; danach steht das Pro-Kopf-Wachstum wieder still. Nur wenn du A (Technik) erhöhst, hebt sich die ganze Kurve dauerhaft. Sparen verändert das Niveau, Technik den Trend.

Die Kapital-Bewegungsgleichung

Die Änderung des Kapitals pro Kopf ist Investition minus Abschreibung:

Δk = s·f(k) − δ·k

Im Steady State ist Δk = 0, also s·f(k*) = δ·k*. Mit der Cobb-Douglas-Form f(k) = A·kα löst sich das zu:

k* = (s·A / δ)1/(1−α)

(Im Rechner ist α = ½, also f(k) = A·√k und k* = (s·A/δ)².) Steigt s, steigt k* — aber das Niveau, nicht die dauerhafte Rate. Die Konvergenz folgt direkt: Wer weit unter seinem k* ist, hat hohen Grenzertrag und wächst schnell.

Die Goldene Regel

Es gibt eine Sparquote, die nicht das Kapital, sondern den Konsum im Steady State maximiert (die „Goldene Regel"). Mehr sparen als das ist möglich, macht aber ärmer im Alltag — man baut Kapital auf, das den Verschleiß kaum noch übersteigt.

Die große Lücke des Modells: Solow erklärt Niveaus, aber nicht das anhaltende Pro-Kopf-Wachstum — das steckt ganz im exogen angenommenen Wachstum von A. Woher A kommt, beantwortet erst die nächste Lektion (Innovation & Ideen).

💶 Was heißt das für dich?

Tipp: Im 🔵 Geek-Modus stehen die Bewegungsgleichung Δk = s·f(k) − δk, die Steady-State-Formel und die Goldene Regel.