Du kaufst beim Bäcker ein Brot für 10 €. Die Münzen wechseln den Besitzer. Frage: Ist dieses Geld jetzt weg?
Eine Wirtschaft ist kein Haufen einzelner Käufe, sondern ein Kreislauf. Im Kern drehen sich zwei Gruppen umeinander: die Haushalte und die Unternehmen.
Haushalte geben den Unternehmen ihre Arbeit und bekommen dafür Löhne (ihr Einkommen). Mit diesem Einkommen kaufen sie wieder Güter bei den Unternehmen — und das ist deren Umsatz, aus dem die nächsten Löhne bezahlt werden. Geld dreht sich also in der einen, Güter und Arbeit in der anderen Richtung. Ein geschlossener Ring.
Eines Menschen Ausgabe ist eines anderen Einkommen. Diesen einen Satz solltest du nie vergessen — er ist der Schlüssel zur ganzen Makroökonomik. Deine Miete ist das Einkommen deines Vermieters. Dein Restaurantbesuch ist der Lohn des Kochs. Es gibt keine Ausgabe, die nicht woanders als Einnahme ankommt.
Zwischen Haushalten und Unternehmen fließen zwei Ströme in entgegengesetzte Richtung:
So einfach bleibt es nicht, denn nicht jeder Euro wird sofort wieder ausgegeben. An drei Stellen kann Geld den Kreislauf verlassen (Lecks) und an drei Stellen wieder hineinkommen (Zuflüsse):
Hier wird's spannend: Wenn der Staat 100 € ausgibt, bekommt das jemand als Einkommen. Er gibt einen Teil davon wieder aus, das wird wieder zum Einkommen eines Dritten, der wieder einen Teil ausgibt … Eine einzige Ausgabe erzeugt eine Kette von Folge-Einkommen. Wie viel davon weitergereicht wird, hängt an der Konsumquote.
Schieb an den Reglern und sieh, wie aus einer Ausgabe ein Vielfaches an Wirtschaftsleistung wird:
Im Gleichgewicht muss alles, was den Kreislauf verlässt, auch wieder hineinkommen — sonst würde er schrumpfen oder anschwellen. Lecks gleich Zuflüsse:
(Sparen + Steuern + Importe = Investition + Staatsausgaben + Exporte). Das ist dieselbe Buchhaltungs-Logik wie in den SFC-Simulationen: Jeder Strom hat eine Quelle und ein Ziel, nichts geht verloren.
Eine Ausgabe A erzeugt Runde für Runde Folge-Einkommen, jeweils mit dem Faktor c (Konsumquote) kleiner:
Die unendliche Summe 1 + c + c² + … konvergiert für 0 ≤ c < 1 gegen 1/(1−c). Das ist der Multiplikator. Bei c = 0,8 ist er 1/0,2 = 5 — aus 100 € werden 500 € Wirtschaftsleistung.
Spart ein Einzelner mehr, wird er reicher. Sparen alle gleichzeitig mehr, sinkt die Konsumquote c — der Multiplikator schrumpft, die Wirtschaftsleistung fällt, und am Ende können alle zusammen weniger sparen als vorher. Was individuell klug ist, kann kollektiv schaden. Das nannte Keynes das Spar-Paradoxon.
Tipp: Schalt oben auf 🔵 Für Geeks für die Gleichgewichts-Formel S+T+M=I+G+X, die Herleitung des Multiplikators und das Spar-Paradoxon.