SFC-Modell · Stufe 4: Zentralbank & ReservenZwei-Stufen-Geld

Jetzt ist die Architektur komplett: Über den Geschäftsbanken sitzt die Zentralbank, die Reserven (Basisgeld) bereitstellt. Banken schöpfen Giralgeld (Einlagen) durch Kredit. Das Herzstück ist die Bilanz-Matrix: jedes Finanzaktivum ist die Schuld eines anderen — nur reales Kapital ist echtes Netto-Vermögen.

Stellschrauben

↑ während des Laufs → Banken schöpfen Giralgeld
ändert nur das Basisgeld — nicht das Giralgeld!
Jahr0
Konsistenz-Check (Bilanz-Matrix):
max |Finanzzeile| = 0,0e+0
✓ jedes Aktivum = Schuld eines anderen

Bilanz-Matrix (Bestände, Aktiva + / Passiva −)

Jede Finanzzeile = 0 (Aktivum eines = Schuld eines anderen). Nur reales Kapital K ist Netto-Vermögen der Gesellschaft.

Geldhierarchie & Verlauf

Giralgeld (breit) ruht auf Basisgeld (schmal)
Giralgeld M2
Basis M0
Multiplikator M2/M0 = 10 = 1/ρ
Giralgeld M2 (Einlagen)   Basisgeld M0 (Reserven)
Giralgeld M2
Basisgeld M0
Volkseinkommen Y

Stufe 4 erklärt — das Zwei-Stufen-Geldsystem Alle Akteure beisammen: Zentralbank, Geschäftsbanken, Unternehmen, Staat (in Banken/ZB konsolidiert) und Haushalte. Jetzt mit der zweiten SFC-Matrix: der Bilanz-Matrix.

Zwei Geldarten, zwei Stufen

Es gibt nicht „das Geld", sondern eine Hierarchie:

Basisgeld M0 = Reserven (Zentralbankgeld)  ·  Giralgeld M2 = Einlagen (Geschäftsbankgeld)

Reserven sind das Verrechnungsgeld zwischen den Banken und der Zentralbank — nur Banken (und der Staat) haben Reservekonten. Einlagen sind das Geld, das Haushalte und Firmen benutzen, geschöpft durch Bankkredit (Stufe 3). Über der Geschäftsbank-Bilanz liegt also eine zweite Bilanz: die der Zentralbank.

Die Bilanz-Matrix — das zweite SFC-Werkzeug

Bisher haben wir die Fluss-Matrix gezeigt (was pro Jahr fließt). Die Bilanz-Matrix zeigt die Bestände: wer welches Aktivum (+) und welche Schuld (−) hält. Die eiserne Regel: jede Finanzzeile summiert sich zu null — die Einlage des Haushalts ist die Schuld der Bank, die Reserve der Bank ist die Schuld der Zentralbank, usw. Das einzige, was übrig bleibt, ist das reale Kapital K: Es ist das gesamte Netto-Vermögen der Gesellschaft. Geldvermögen heben sich gegenseitig auf — „mein Guthaben ist deine Schuld".

Der entscheidende Aha-Moment: ρ ändert nur das Basisgeld

Schieb den Mindestreservesatz ρ hoch und runter. Du siehst: Das Giralgeld M2 bleibt gleich — nur das Basisgeld M0 = ρ·M2 ändert sich. Das widerlegt den alten Schulbuch-„Geldmultiplikator", bei dem die Zentralbank über das Basisgeld die Geldmenge steuert. In Wahrheit läuft die Kausalität umgekehrt:

Banken vergeben Kredit → Einlagen entstehen (M2) → Banken besorgen sich die nötigen Reserven (M0 = ρ·M2) bei der Zentralbank.

Die Zentralbank stellt die Reserven elastisch bereit und steuert nicht die Menge, sondern den Preis — den Leitzins. Genau das ist der moderne, endogene Geldbegriff (Bank of England, 2014).

Warum das Basisgeld so klein ist

Bei ρ = 10 % ist das Giralgeld zehnmal so groß wie das Basisgeld (Multiplikator 1/ρ). In der Realität ist der Anteil des Zentralbankgeldes am gesamten Geld noch kleiner (~3 % Bargeld) — deshalb die Faustregel „~97 % des Geldes ist Giralgeld der Banken".

Nächste Stufe: Die reale Produktionsseite — Kapital, Arbeit, Produktivität, Preise und die Output-Lücke. Damit bekommen wir endlich ehrliches reales BIP und es entstehen Krisen von selbst. Danach (Stufe 6) die Freigeld-Variante und der große Vergleich, der dein ursprüngliches Thema beantwortet.