Es gibt nicht „das Geld", sondern eine Hierarchie:
Reserven sind das Verrechnungsgeld zwischen den Banken und der Zentralbank, nur Banken (und der Staat) haben Reservekonten. Einlagen sind das Geld, das Haushalte und Firmen benutzen, geschöpft durch Bankkredit (Stufe 3). Über der Geschäftsbank-Bilanz liegt also eine zweite Bilanz: die der Zentralbank.
Bisher haben wir die Fluss-Matrix gezeigt (was pro Jahr fließt). Die Bilanz-Matrix zeigt die Bestände: wer welches Aktivum (+) und welche Schuld (−) hält. Die eiserne Regel: jede Finanzzeile summiert sich zu null, die Einlage des Haushalts ist die Schuld der Bank, die Reserve der Bank ist die Schuld der Zentralbank, usw. Das einzige, was übrig bleibt, ist das reale Kapital K: Es ist das gesamte Netto-Vermögen der Gesellschaft. Geldvermögen heben sich gegenseitig auf, „mein Guthaben ist deine Schuld".
Schieb den Mindestreservesatz ρ hoch und runter. Du siehst: Das Giralgeld M2 bleibt gleich, nur das Basisgeld M0 = ρ·M2 ändert sich. Das widerlegt den alten Schulbuch-„Geldmultiplikator", bei dem die Zentralbank über das Basisgeld die Geldmenge steuert. In Wahrheit läuft die Kausalität umgekehrt:
Die Zentralbank stellt die Reserven elastisch bereit und steuert nicht die Menge, sondern den Preis, den Leitzins. Genau das ist der moderne, endogene Geldbegriff (Bank of England, 2014).
Bei ρ = 10 % ist das Giralgeld zehnmal so groß wie das Basisgeld (Multiplikator 1/ρ). In der Realität ist der Anteil des Zentralbankgeldes am gesamten Geld noch kleiner (~3 % Bargeld), deshalb die Faustregel „~97 % des Geldes ist Giralgeld der Banken".