SFC-Modell · Finale — Zinssystem vs. FreigeldStufe 6 · der große Vergleich

Die Krönung: Wir setzen Gesells Umlaufsicherung (statt Zins) in genau denselben Goodwin-Keen-Apparat und lassen beide Welten parallel laufen — gleiche Startbedingungen, gleiche Naturgesetze, nur ein anderes Geldsystem. Beobachte die zwei „Herzschläge" (Phasendiagramme) und das ehrliche Fazit unten.

Stellschrauben

Jahr0
Beide Volkswirtschaften nutzen dasselbe reale Modell (Stufe 5). Unterschied: Zins r>0 auf Schulden vs. Freigeld r=0 + Umlaufsicherung.

Heutiges System · Zinsgeld

Zins belastet Schuldner, fließt an Geldbesitzer · verstärkt die Konjunkturzyklen
Vermögensverteilung (64 Haushalte, sortiert):
Vermögens-Gini
Konjunktur-Schwankung
Ø Arbeitslosigkeit
Rentier-Einkommen Ø
max. Schuldenquote

Freigeld · Umlaufgesichert

Kein Zins · Umlaufsicherung hält Geld im Fluss, dämpft Boom & Bust
Vermögensverteilung (64 Haushalte, sortiert):
Vermögens-Gini
Konjunktur-Schwankung
Ø Arbeitslosigkeit
Rentier-Einkommen Ø
max. Schuldenquote

Beschäftigung über Zeit — beide Systeme

Zinssystem   Freigeld  — gleiche Startbedingungen, nur anderes Geldsystem

Vermögens-Ungleichheit (Gini) über Zeit — beide Systeme

Zinssystem   Freigeld  — 0 = alle gleich, 1 = einer hat alles. Der Zins lässt sie auseinanderlaufen.

Ehrliches Fazit — was sich wirklich unterscheidet

Kennzahl
Zinssystem
Freigeld
Rentier-Einkommen (leistungslos)
0 %
Vermögens-Ungleichheit (Gini)
Konjunktur-Schwankung
Ø Arbeitslosigkeit (Niveau)

Finale — die ehrliche Antwort auf deine Ausgangsfrage Sechs Stufen, durchgehend stock-flow-konsistent: Staatsgeld → Zinsanleihen → Bankkredit → Zentralbank → reale Konjunktur → Freigeld-Vergleich.

Wie Freigeld ins Modell kommt

Beide Welten sind identisch — dasselbe Goodwin-Keen-Modell aus Stufe 5. Der einzige Unterschied steckt im Geldsystem, und der wirkt an genau einer Stelle: dem Gewinnanteil.

Zinssystem: π = 1 − ω − r·d   (Zinslast r·d zieht Kaufkraft zu den Geldbesitzern)
Freigeld: π = 1 − ω   (kein Zins; Umlaufsicherung dämpft Horten → ruhigere Konjunktur)

Gesells Kernthese: Mit Umlaufsicherung verliert Geld seinen „Liquiditätsvorteil", der natürliche Zins (Urzins) fällt gegen null. Genau das bilden wir ab: r = 0. Die Schwundrate s wirkt zusätzlich stabilisierend, weil Geld auch in der Krise nicht gehortet wird (kein Nachfrage-Einbruch durch Hortung).

Was robust ist — und was Annahme

Die dritte Dimension: Vermögensverteilung

Bisher gab es einen Haushaltssektor — die Lohnquote zeigt Arbeit gegen Kapital, aber nicht die Verteilung innerhalb der Haushalte. Jetzt teilen wir sie in 64 Haushalte auf (die Balken unter den Phasendiagrammen, der Gini-Chart darunter). Der Mechanismus:

Löhne fließen ungefähr gleich an alle. Das Rentier-Einkommen r·d dagegen fließt proportional zum Vermögen — wer mehr hat, bekommt mehr Zinsen — und wird reinvestiert. „Wer hat, dem wird gegeben": Genau das ist Pikettys r > g (Kapitalrendite über Wachstumsrate). Im Freigeld fehlt dieser Kanal (r = 0), und die Schwundgebühr verteilt sogar leicht um → die Verteilung bleibt flach.

Ehrlich eingeordnet: Robust ist, dass der Zins einen vermögensproportionalen Einkommensstrom schafft, der reinvestiert konzentriert (r > g) — und dass es ihn im Freigeld nicht gibt. Der beste Beweis: Stell den Zinssatz auf 0 % — der Gini bleibt flach, obwohl alles andere gleich ist. Annahme ist die genaue Stärke und das Sättigungsniveau der Konzentration; der Zinssatz bestimmt vor allem das Tempo. Die Aussage lautet also: schon ein positiver Zins genügt, um über die Zeit Vermögen nach oben umzuverteilen.

Die Quintessenz

Der ehrliche Befund über alle sechs Stufen: Geld ist die Gegenbuchung von Schuld (Stufe 1–4). Der Zins darauf erzeugt zwei Effekte — er verteilt Einkommen nach oben (Rentieranteil, robust) und er verstärkt die Instabilität der ohnehin endogenen Konjunktur (Stufe 5–6, theoretisch belegt). Freigeld nimmt dem Geld den Zins und das Hortungsmotiv; es beseitigt nicht die Naturgesetze der Wirtschaft, aber es entfernt einen menschengemachten Verstärker von Ungleichheit und Krise. Ob das in der realen, komplexen Welt so eintritt, kann ein Modell nicht beweisen — aber es zeigt transparent und nachvollziehbar, warum die Befürworter recht haben könnten.

Du hast jetzt ein vollständiges, durchgehend konsistentes, frei online stellbares Lehrwerk gebaut — von der einfachen Veranschaulichung (V1/V2) bis zum sechsstufigen SFC-Modell auf dem Stand der aktuellen Forschung (agentenbasiert + stock-flow-konsistent). Das ist mehr, als die meisten Lehrbücher bieten.