Vergibt die Bank einen Kredit, entstehen gleichzeitig Guthaben und Schuld aus dem Nichts — die Geldmenge wächst. Tilgung löscht beides. Im Zinssystem läuft zusätzlich der Zins auf, der nie mitgeschöpft wurde: Die Schuld wächst exponentiell, das Geld langsamer — der Abstand ist die Zinslücke. Im Freigeld gibt es keinen Zins; eine Schwundgebühr hält das Geld im Umlauf und wird als Grunddividende gleich verteilt.
Jede Volkswirtschaft besteht aus vier Sektoren: einer Bank, einem Unternehmenssektor, einem Staat und 64 Haushalten. Geführt werden Bestände (Guthaben, Kredite) und jährliche Flüsse (Löhne, Konsum, Steuern, Zins).
In der Realität entstehen rund 97 % des Geldes als Bankkredit (Guthaben und Schuld zugleich), nur etwa 3 % ist schuldfreies Bargeld bzw. Staatsgeld (Bank of England, „Money creation in the modern economy", 2014). Wir bilden das gemischt ab:
Geldmenge und Schulden starten also fast gleichauf; der Abstand (8.000) ist das schuldfreie Basisgeld. Im Zinssystem überholt die Schuld die Geldmenge schon nach wenigen Jahren, weil der Zins die Schuld schneller aufbläht, als neues Geld geschöpft wird. Im Freigeld bleibt die Geldmenge das stabile Staatsgeld, und die Schuld bleibt klein und konstant.
Bei der Kreditvergabe entstehen Guthaben und Schuld gleichzeitig aus dem Nichts; bei der Tilgung löschen sie sich gegenseitig. Geldmenge M = Σ max(di,0) + dF + dG.
Der Zins fällt auf den gesamten Schuldenstand an und wird der Schuld zugeschlagen (kapitalisiert). Mit dem Kreditzins i und der Gesamtschuld D wächst die Schuld geometrisch — reiner Zinseszins:
Aber: Nur ein Teil des Zinses wird tatsächlich als neues Geld realisiert (Faktor φ = 0,5) und fließt als Einkommen an die Kapitaleigner; der Rest bleibt aufgelaufene Schuld ohne Geld dahinter. Deshalb wächst die Geldmenge langsamer als die Schuld:
Der Abstand zwischen Schuld und Geldmenge ist der nie geschöpfte Zins. Weil das realisierte Zinseinkommen nur an die ~7 Eigner geht, steigt zugleich die Ungleichheit.
Kein Kreditzins (i = 0). Stattdessen verliert Guthaben jährlich die Schwundrate s, die als gleiche Dividende an alle zurückfließt:
Ohne Zinsstrom gibt es keinen Treadmill: Investitionskredite werden geschöpft und wieder getilgt, die Geldmenge bleibt stabil und D ≈ M. Die Schwundgebühr ist mittelwert-anziehend → niedriger Gini. Zudem zirkuliert Geld schneller (höhere Konsumneigung) → höhere Umlaufgeschwindigkeit (siehe §6).
Gini (0 = gleich, 1 = einer hat alles) über aufsteigend sortierte Guthaben x(k):
Umlaufgeschwindigkeit (Velocity) misst, wie oft ein Geldstück pro Jahr den Besitzer wechselt — der Umschlag relativ zur Geldmenge, normiert auf Zins-Jahr 1 = 100. Höher = lebhafterer Umlauf.
Bei der Kreditvergabe wird nur die Kreditsumme als Geld geschöpft — der Zins nie. Die Zinszahlung selbst vernichtet kein Geld; sie zirkuliert (Bank → Löhne → Konsum → zurück). Aber damit der wachsende Zins bedient werden kann, ohne dass die Geldmenge schrumpft, muss laufend neuer Kredit entstehen. Würden alle gleichzeitig alle Schulden tilgen, verschwände fast das gesamte Geld — denn jeder Euro ist die Kehrseite einer Schuld.
| Parameter | Wert | Begründung & Quelle |
|---|---|---|
| Zins | 4–5 % / Jahr | Gesells historischer „Urzins" (3–5 %) und die langfristige Kapitalrendite — Piketty: r ≈ 4–5 %. |
| Schwund (Gesell) | ≈ 5 % / Jahr | Gesells Vorschlag (1916): ~10 Pf/Woche auf einen Jahresschein ≈ 5,2 % p. a. |
| Schwund (Wörgl) | 12 % / Jahr | Praxis in Wörgl 1932/33: 1 % pro Monat; die Scheine zirkulierten ~8× schneller als der Schilling. |