Ein Staat gibt mehr aus, als er an Steuern einnimmt — er macht ein Defizit. Oft heißt es dann: „Er lebt über seine Verhältnisse, wie ein Haushalt, der sich verschuldet." Stimmt dieser Vergleich?
Der Staat nimmt vor allem über Steuern ein und gibt aus für Transfers (Renten, Sozialleistungen), öffentliche Güter (Straßen, Bildung, Sicherheit), Löhne und Zinsen. Die Differenz ist der Finanzierungssaldo: Defizit oder Überschuss.
Stell Einnahmen und Ausgaben ein (in % der Wirtschaftsleistung) und sieh den Saldo — und seinen Spiegel beim privaten Sektor:
Über alle Sektoren muss sich jeder Euro zu null saldieren (jeder Ausgabe steht eine Einnahme gegenüber):
In einer geschlossenen Wirtschaft heißt das: Ein Staatsdefizit ist cent-genau der Überschuss des privaten Sektors. Genau diese Identität erzwingt Stufe 1: „Des Staates Defizit ist die Ersparnis der Bürger." Will der Privatsektor netto sparen, muss jemand (Staat oder Ausland) ins Defizit gehen.
Ökonomen trennen das konjunkturelle Defizit (durch die Stabilisatoren, verschwindet im Aufschwung) vom strukturellen (bleibt auch bei Normalauslastung). Nur Letzteres zeigt die echte haushaltspolitische Lage — ein Defizit in der Krise ist meist kein Alarmzeichen, sondern gewollte Stabilisierung.
Tipp: Im 🔵 Geek-Modus stehen die Sektorsalden-Identität, der Bezug zu Stufe 1 und der Unterschied zwischen strukturellem und konjunkturellem Defizit.