Wirtschaftsschule · Block 3 · Lektion

Wirtschaftswachstum — der Hockeyschläger der Geschichte

Fast die gesamte Menschheitsgeschichte war der Enkel ungefähr so arm wie der Großvater. Dann, vor ganz kurzer Zeit, explodierte der Wohlstand. Warum? Und was bedeutet es, dass dieses „Normal" historisch bizarr ungewöhnlich ist?

Über tausende Jahre stand der Lebensstandard der Menschen fast still. Wann begann das anhaltende Wirtschaftswachstum, das wir heute für selbstverständlich halten?

Wann ging der Hockeyschläger nach oben?

Worum geht's?

Wirtschaftswachstum meint den anhaltenden Anstieg des realen BIP pro Kopf — also mehr Güter und Dienste je Mensch, Jahr für Jahr. Der Blick auf die lange Geschichte zeigt eine der wichtigsten Tatsachen der Ökonomik überhaupt.

Der Hockeyschläger — schalt zwischen den Achsen um

Hier der grobe Verlauf des weltweiten Wohlstands pro Kopf über 3.000 Jahre. Schau ihn dir zuerst normal an — dann schalt auf logarithmisch um. Die Log-Ansicht enthüllt etwas, das die normale verbirgt:

Grobe historische Schätzungen (Maddison-Projekt), Welt-BIP pro Kopf. Die Log-Achse macht aus „mal 10" denselben Abstand wie aus dem nächsten „mal 10".
Der Aha-Moment: In der Normal-Ansicht sieht es aus, als sei alles erst gestern passiert. In der Log-Ansicht erkennst du: Vor 1800 lag die Kurve fast flach (kaum Wachstum), danach steigt sie mit einer ziemlich konstanten Steigung — das ist eine konstante Wachstumsrate, also genau der Zinseszins-Effekt aus Block 1, nur für ganze Nationen.

Warum Wachstum so viel verändert

Warum die Log-Achse die Wahrheit zeigt

Exponentielles Wachstum (konstante Rate g) ist auf linearer Achse eine immer steilere Kurve, auf logarithmischer Achse aber eine Gerade — ihre Steigung ist die Wachstumsrate:

ln(Yt) = ln(Y0) + g·t  →  Steigung = g

Deshalb nutzen Ökonomen für langfristige Größen fast immer Log-Skalen: Gleiche Steigung = gleiche Rate, egal auf welchem Niveau.

Wachstumszerlegung (growth accounting)

Aus der Produktionsfunktion Y = A·Kα·L1−α (Block 2) folgt für die Wachstumsraten:

ĝ(Y) = ĝ(A) + α·ĝ(K) + (1−α)·ĝ(L)

Der Teil, der nicht durch mehr Kapital oder Arbeit erklärt ist — ĝ(A), das Solow-Residuum — ist der größte Brocken des Pro-Kopf-Wachstums. Das ist der Cliffhanger zum Solow-Modell: Warum Kapital allein nicht reicht.

💶 Was heißt das für dein Geld?

Tipp: Der 🔵 Geek-Modus erklärt, warum die Log-Achse eine Gerade erzeugt, und zerlegt Wachstum in Kapital, Arbeit und das Solow-Residuum.